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09.02.2017

Die Maschine gibt den Ton an

 

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Was ursprünglich Gelähmten helfen sollte, könnte auch Arbeiter unterstützen, zum Beispiel bei der Busfertigung: Mit dem „Stuttgart Exo- Jacket“ werden schwere Gegenstände leicht wie Teelöffel.

Josef Beck fühlt sich sichtlich unwohl. Während am Rednerpult vor ihm im Hörsaal des Fraunhofer-Instituts feierliche Eröffnungsreden gehalten werden, rutscht er mit verschränkten Armen unruhig auf seinem Stuhl herum. Irgendwann platzt es aus ihm heraus: „Und was bekommt der Arbeiter dann noch für ein Geld?“, fragt er seinen Sitznachbarn.

 

Er ist der Einzige, der diese Frage stellt, als das Who‘s who des baden-württembergischen Unternehmertums sich vergangene Woche in Stuttgart-Vaihingen versammelt hat. Vertreter von Bosch, Daimler, Airbus, Kasto und vielen mehr sind gekommen,  um im neu eröffneten „Future Work Lab“ Einblicke in die Zukunft der Arbeit zu erlangen. Einem „Innovationslabor“, das zeigt, wie moderne Technik Fabrikarbeit erleichtern kann.

 

Beck hebt sich ab von der mit schwarzen Anzügen uniformierten Manager-Masse. Er trägt braune Turnschuhe zum karierten Wollsakko, ein IG-Metall-Button prangt an seinem Revers. Während die anderen von „recommendation“, „commitment“ und Japan sprechen, lässt er auf Fränkisch seinen Sorgen freien Lauf. „Was macht das mit einem Menschen, wenn er zehn Jahre lang nur tut, was die Datenbrille ihm sagt, was macht das mit unserer Gesellschaft?“ Beck ist Betriebsrat bei Audi in Ingolstadt. Eigentlich müsste er sich nicht mehr kümmern, bis zur Rente hat er nicht mehr lang. Er tut es trotzdem. Seine Befürchtung ist, dass mit immer einfacher werdender Facharbeit auch die Gehälter der künftigen Generationen sinken werden.

 

Das große Problem mit der Zukunft, wie sie in Vaihingen vorgestellt wurde, lässt sich wahrscheinlich am Besten in einem Satz des Fraunhofer-Institutsleiters Wilhelm Bauer zusammenfassen: „Arbeitsplätze sind zukünftig so leicht zu bedienen wie ein iPhone.“

„Future Work Lab“ heißt frei übersetzt in etwa „Labor für die Zukunft der Arbeit“. Was futuristisch klingt, ist es eigentlich nicht. Denn die Technologie, die im Vaihinger Labor ausgestellt wird, steht schon heute zur Verfügung. Die Arbeitswelt der Zukunft muss man sich in etwa so vorstellen: Über dem Fabrikboden ragt ein massiver, orangener Robotergreif­arm aus der Wand heraus. Er unterstützt den Arbeiter selbst in beengten Verhältnissen in der Montage schwerer Bauteile. Ein „intelligentes Display“ führt den Arbeiter auf Augenhöhe Schritt für Schritt durch den Montageprozess. Lernvideos erleichtern das Begreifen schwieriger Arbeiten direkt am Platz. Und eine Datenbrille zeigt dem Arbeiter virtuell, wo er das Teil, das er in der Hand hält, genau montieren muss. Einfacher geht es kaum: Die Maschine gibt den Ton an, der Arbeiter führt aus. „Der letzte Schritt wäre, dass wir völlig autonome Maschinen haben“, sagt Fraunhofer-Wissenschaftler Thomas Bauernhansl.

 

Das Beispiel der Firmen Würth (Industrie Services, Bad Mergentheim) und des Crailsheimer Herstellers für Prüf- und Messtechnik Elabo zeigt konkret, wohin die Reise geht. Das Montagetechnik-Unternehmen Würth bietet seinen Industriekunden an, die Produktion in Fabriken über Kameras und Funk-Chips zu beobachten. Sobald Sensoren merken, dass bestimmte Schrauben knapp werden, werden diese automatisch bestellt, angeliefert und im fortschrittlichsten Fall von einem Transportroboter an den richtigen Mann gebracht.

 

An dieser Stelle steigt Elabo ein: Ihr „intelligentes Display“ sagt dem Arbeiter ganz genau, welche Schraube er nun zu entnehmen und wo – am besten noch über eine Datenbrille – er diese anzubringen hat. In der Theorie ist von „assistierenden Arbeitsplätzen“ die Rede, die dem Arbeiter „Vorschläge machen“. In der Realität heißt das: Auch weniger qualifizierte Arbeiter können in Zukunft einfach ausführen, was die Maschine ihnen vormacht.

 

In der Industrie hofft man, durch diese Reduktion der Komplexität am Arbeitsplatz einen in Zukunft noch gravierender werdenden Fachkräftemangel auszugleichen. „In den MINT-Berufen werden bis 2020 1,3 Mio. Fachkräfte fehlen“, befürchtet Elabo-Geschäftsführer Thomas Hösle. Volker Sieber vom Remshaldener Anlagenbauer Schaithmann ergänzt: „Wenn die Baby-Boomer in Rente gehen, werden wir enorm an Produktivität verlieren.“

 

Technologien wie Exoskelette, die beim Tragen schwerer Lasten unterstützen, sollen Arbeiter zwar ermöglichen, länger im Beruf zu bleiben. Auffangen werden sie den Mangel jedoch nicht. „Deswegen geht es darum, weniger qualifizierte Mitarbeiter zu befähigen, in dieser komplexen Umgebung zu arbeiten“, sagt Hösle.


Kleine Unternehmen sind ratlos


Bundesforschungsministerin Johanna Wanka ist sich auf jeden Fall sicher: „Bei Industrie 4.0 sind wir dem Rest der Welt um Jahre voraus“, sagte sie in ihrer Eröffnungsrede. Dem optimistischen Urteil muss man allerdings hinzufügen: Das gilt vor allem für die großen Player. Denn laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarktforschung haben ein Drittel aller Unternehmen sich noch nicht mit der Nutzung neuer Technologien beschäftigt. Das gilt vor allem für kleinere Produktionsbetriebe mit weniger als 50 Beschäftigten. Auch ihnen soll im Future Work Lab gezeigt werden, wie sie mit der Zukunft mithalten können.

 

Studien darüber, ob oder wie viele Arbeitsplätze die zunehmende Automatisierung kosten wird, gibt es jede Menge. Sie pendeln zwischen einem Zugewinn von 350 000 Stellen bis hin zu einem Verlust von 18 Millionen. „Wir werden nicht zur leeren Fabrik kommen“, sagt Thomas Hösle dazu. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kann man davon ausgehen, dass „Arbeitsplätze mit niedrigen Qualifikationsanforderungen und einfachen, repetitiven Tätigkeiten“ in Zukunft von Maschinen erledigt werden, schreibt der Wirtschaftssoziologe Hartmut Hirsch-Kreinsen. Wanka verweist dagegen auf die Einführung von Computern im vergangenen Jahrhundert: Auch damals habe es Sorgen wegen Jobverlusten gegeben. „Gerade Deutschland hat aber an Beschäftigung hinzugewonnen.“

 

An diesem Punkt sich jedoch alle sicher sind: Die Rolle der Maschinen wird weiterhin hinzugewinnen. So war bereits als Ministerin Wanka das Labor besucht und sich ein Bild davon gemacht hat, wie in der Fabrik der Zukunft gearbeitet wird, nicht klar, ob das Blitzlichtgewitter nun ihr galt oder dem unauffällig wie eine Ameise um ihre Füße herumfahrenden Transportroboter – mit pinker Unterbodenbeleuchtung.

 

 

Quelle: Hohenloher Tagblatt vom 09.02.2017 / Igor Steinle
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